Wir gendern!
Wie Sie easy Teamentscheidungen treffen können!

biz2byte Gendern Grafik

Entscheidungen im Team treffen? Auf einen gemeinsamen Nenner kommen?

Was uns dazu fehlt, sind meistens klare Fakten, ein Schokoriegel & Heißhunger. Wie das zusammenhängt und wie wir das Thema „Gendern“ angegangen sind, erfahrt Ihr jetzt!

Stellt Euch vor: wir sitzen zusammen auf dem Sofa und bekommen Hunger. Erst nur so ein bisschen, doch dann entwickelt es sich zu einem richtigen Heißhunger. Was tun? Wir brauchen was zum Essen und zwar schnell! Was schmeckt allen, die anwesend sind? Liegt noch etwas im Kühlschrank oder müssen wir zuerst einkaufen gehen? Und was war eigentlich mit unseren Plänen, uns gesund zu ernähren?

So ungefähr ging es uns mit dem Thema „Gendern“. Klingt komisch? – Werdet Ihr aber gleich verstehen! In unserem monatlichen biz2byteCamp haben wir den Raum, Themen anzusprechen, die uns beschäftigen. So kam es dazu, dass ein Kollege das große Thema „Gendern“ zur Diskussion einwarf. Wir saßen auf unserer Couch und dachten sozusagen das erste Mal an Essen. Wir wussten alle noch nicht so ganz, was auf uns zukommt. Um den ersten Hunger zu stellen, gab es einen kleinen Wissenssnack – so was, wie ein Schokoriegel.

Erster Wissens-Snack

Per Definition werden mit dem generischen Maskulinum (der Kunde, der Projektleiter, …) zumindest grammatikalisch alle Menschen angesprochen. Doch wenn von „dem Kunden“ gesprochen wird, denken viele zuerst an einen Mann. Denn unsere Sprache erzeugt Bilder im Kopf. Das Gendern versucht – auch in den Köpfen – alle Menschen sichtbarer zu machen. Spricht man von Kund:innen, so weicht sich die Geschlechtervorstellung auf, wir sehen nicht mehr nur den Mann. Studien fanden heraus, dass sich durch das Gendern Kinder und  Frauen mehr „männertypische“ Berufe zutrauen. Und auch einer Kollegin fiel auf, dass Sie sich durch die gegenderte Ansprache plötzlich mehr wahrgenommen fühlte. Je nachdem, wie gegendert wird, steht der Doppelpunkt oder das Sternchen für alle nicht binären Menschen (nicht männlich oder weiblich). Auch wenn es bis jetzt kaum verlässliche Statistiken gibt, geht die Biologin Anne Fausto-Sterling davon aus, dass rund 1,7% der Weltbevölkerung intergeschlechtlich geboren werden. Laut der Uni-Freiburg sind weitere 2,1% der Menschen nicht-binär, die Dunkelziffer könnte durchaus höher liegen.

Mithilfe des kleinen Wissenssnacks wuchs das allgemeine Interesse und die Relevanz wurde deutlicher. Anstatt satt zu werden, wurden wir hungriger.

Worauf haben wir eigentlich Hunger?

Es stellten sich plötzlich lauter offene Fragen. Gendern wir in der internen und/oder der externen Kommunikation? Und wenn ja, wie gendern wir? Welche Auswirkungen könnte das zukünftig auf unsere Website, für unseren Newsletter oder auf unsere Kund:innen haben? Dazu kam, dass unser Website-Relaunch anstand und wir deswegen entscheiden mussten, wie wir zukünftige Besucher:innen & potenzielle Kund:innen ansprechen wollen. Gendern wir oder gendern wir nicht? Da war nun also dieser riesige und ausgewachsene Heißhunger– angeheizt durch den Schokoriegel. Diese gestellte Frage, die man nicht mehr ignorieren konnte.

Wir merkten schnell, dass unser Kühlschrank zu leer war. Uns fehlten einige Informationen und wir merkten, dass es neben Wünschen auch Bedenken gab. Für die meisten bestand die größte Hürde in der Umsetzung. Plötzlich muss man sich genau aufs Sprechen und Schreiben konzentrieren. Gendern muss ja erst mal erlernt werden: es ist irre, wie viele „männliche“ Wörter wir verwenden, ohne es zu merken. Beim Lesen von gegenderten Texten fällt das stärker ins Auge. Und ist eine einfache Lesbarkeit nicht gerade im Marketing besonders wichtig? Wie sieht es eigentlich von SEO Seite mit dem Gendern aus? Rankt Google Marketingexpert:innen genauso wie Marketingexperten?

Was uns auf das Gendern Appetit machte:

  • Wir wollen, dass sich alle Menschen angesprochen fühlen
  • Stereotype Geschlechterrollen werden aufgeweicht
  • Kinder und Frauen trauen sich mehr Berufe zu
  • Wir setzen ein Symbol für Gleichberechtigung
  • Wir beziehen Stellung zu unseren Werten

Was unseren Appetit schwächte:

  • Gendern ist gefühlt ein höherer Aufwand (im Sprechen, Lesen und Schreiben)
  • Gendern kann deswegen Reaktanz erzeugen
  • Gendern wirkt sich auf die Lesbarkeit aus bzw. man muss sich erst an die neue Schreibweise gewöhnen
  • Google hat noch kein klares Statement zu den Auswirkungen von Gendern auf SEO gegeben

Inspiration finden, Hunger stillen & eine Entscheidung treffen?

Argumente dafür und dagegen – schließlich steht der Prozess ganz am Anfang. Wir richteten unseren Blick auf die „großen Firmen“. 16 der 30 Dax-Konzerne sind für das Gendern und jede dritte Firma gendert in Deutschland. Es gibt bereits viele, die es vormachen.
Wir jetzt auch. Denn nach unserer anonymen Abstimmung waren 73% der Teammitglieder für das Gendern. Das heißt auf unserer Website, in allen E-Mails und im Newsletter gendern wir! Aus Gründen der Lesbarkeit mit dem Doppelpunkt.
Es gibt noch Unsicherheiten, aber wir sind sicher, dass wir es ausprobieren wollen. Das Endziel besteht ja nicht im Gendern an sich, sondern in einer inkludierenden Welt für alle.

Kurz & knapp – unser Weg zu einer guten Entscheidung

  • Im Team Interesse für das Thema wecken (z.B. in Meetings und in Bar Camps)
  • Wichtige Informationen sammeln und gebündelt allen zugänglich machen
  • Relevanz und Auswirkungen der Veränderung veranschaulichen und gemeinsam offen diskutieren
  • Wünschen und Bedenken Raum geben
  • Feedback einfordern und Austausch ermöglichen
  • Demokratisch und anonym abstimmen

 

Quellen:
https://www.quarks.de/gesellschaft/psychologie/was-gendern-bringt-und-was-nicht/
https://www.gleichstellung.uni-freiburg.de/Monitoring/Gender/Vielfalt-Geschlecht
https://www.welt.de/wirtschaft/article229139071/Gendern-16-der-30-Dax-Konzerne-sind-fuer-Gendersprache.html
https://support.google.com/webmasters/thread/104276135/einfluss-von-gendern-aufs-ranking?hl=de
Anonym abgestimmt haben wir mit: https://www.lamapoll.de/